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“Rest is not idleness, ...

  • Christine
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

...and to lie sometimes on the grass under trees on a summer’s day, listening to the murmur of the water, or watching the clouds float across the sky, is by no means a waste of time.”

John Lubbock


Guten Morgen, sagt der Bär, ich bin schon wach.

Oje, sage ich, es ist viertel nach sieben.

Wenn der Bär um diese Zeit wach ist, dann bedeutet das nichts Gutes.


Die Sache ist die:

das Dach des Häuschens im Mangogarten muss erneuert werden.

Genaugenommen die ganze Hütte.

Ihr wisst schon, dort wo Umberto Gecko und die Pachitas wohnen.

Die Termiten haben so ziemlich das ganze Holz aufgefressen

und die Lücken in der Mauer sind so groß, dass alles, was Lust dazu hat,

ungehindert aus und einmarschieren kann -

der Wind zum Beispiel und mit ihm allerhand Blätter und Zeugs,

die Mäuse, die immer die Seife anknabbern, Spinnen sowieso

und einmal sogar eine Pardela.

Wir sind ja prinzipiell gastfreundlich aber es gibt doch Grenzen.

Und Seife schmeckt doch gar nicht.


Wir möchten das Häuschen gerne mehr nutzen,

wenn (und weil) der Winter in Tiñor so kalt und nass ist…

und weil man (siehe oben) ab und zu eine Pause machen und in die Luft schauen soll.

Eine kleine Ausweichmöglichkeit am Meer, so wars gedacht.

Dazu sollte es ein bisschen gemütlicher werden. Also zuerst ein neues Dach.


Der Bär hat alles geplant:

Seit Wochen denkt und rechnet und misst er und fährt mit der Moto

sämtliche ferreterias der Insel auf der Suche nach den passenden Materialien ab: Holzpfosten und -latten in entsprechender Länge, Dachplatten... solche Sachen.

Der Bär kennt sich aus, er liebt solche Projekte und erzählt mir immer ganz genau

alles über selbstbohrende Schrauben, Trapezbleche, und wo man was bekommt...

Das ist hier gar nicht so selbstverständlich,

man darf nicht vergessen, wir befinden uns auf einer Insel.

Einer kleinen Insel.

Einer kleinen spanischen Insel.

---

Wenn der Babybär, der zum Glück ganz und gar nicht mehr klein ist,

im Sommer für zwei Wochen kommen und mithelfen wird,

soll alles bereit sein, also müssen wir rechtzeitig mit den Vorbereitungen beginnen!


Gemeinsam mit Juan, unserem Nachbarn, der einen großen Geländewagen hat,

wollen sie also die Sachen abholen.

Die Pfosten in Valverde, die Dachplatten in La Frontera, die Schrauben in Tigaday...

eine richtige kleine Inselrundfahrt soll es werden.


Leider stellt sich heraus, der große Wagen ist nicht groß genug,

die Pfosten und Platten sind zu lang.

Die Schrauben nicht, aber das hilft in dem Fall wenig...


Carlos wird angerufen, der hat ein noch größeres Auto und kann aushelfen.

Er ist der Onkel der Schwägerin von Juan - oder so ähnlich -

es ist eines der wunderbaren Dinge hier auf der Insel,

dass es immer jemanden gibt, der jemanden kennt,

der das, was man gerade braucht, hat oder kann.

Und immer stellt sich heraus, dass die hilfreiche Seele der Cousin

oder die Nichte von jemandem aus der Nachbarschaft ist. Sehr praktisch.


Carlos kommt also prompt - was ehrlich gesagt ziemlich erstaunlich ist -

die Uhren gehen hier definitiv anders.

Allerdings kann er nicht die Sandstraße bis hinauf zum Garten fahren,

das kann nur der Geländewagen.

Der kann aber die Pfosten nicht transportieren

und wegen der Schrauben lohnt es sich nicht.

Wieauchimmer, sie laden alles unten an der Straße ab,

verabschieden sich fröhlich und fahren ihrer Wege.


Stimmt.

Ja. Das war gestern.

Und heute wollen wir alles hinauftragen.

Deshalb ist der Bär so früh wach.

Ich sag doch, das bedeutet nichts Gutes.

---

Na, dann also los, so schlimm kann es nicht sein,

die paar Pfosten, die paar Meter... das erledigen wir vor dem Frühstück.

Wenn man so gerne wandert wie ich ist das doch ein Vergnügen...


Nach drei Stunden, zweimal Trink- und einmal Pinkelpause ziehen wir Bilanz:

  • Zwei Pfosten kann man gut tragen, immer einmal auf der linken und einmal auf der rechten Schulter, drei sind zu viel.

  • Die Dachplatten müssen wir zu zweit und einzeln tragen, also jede extra, sonst bläst uns der Wind mitsamt den Platten weg.

  • Auf dem Sandweg zum Mangogarten gibt es mindestens 17 verschiedene Blumenarten. 15 ganz bestimmt, ich hab sie nicht gezählt… auch Pusteblumen! Und rote Mohnblumen auf schwarzem Vulkansand! Die kleinen blauen mit dem gelben Auge gefallen mir am besten.

  • Es gibt Steinchen in allen Schattierungen von grau über gelb bis rostrot, die meisten davon finden wir später auch in unseren Schuhen.

    Apropos Schuhe: Meine Bergschuhe sind die bequemsten und besteingegangenen, die ich je hatte. (Das kommt von damals, als ich mir den Fuß gebrochen hatte und mir statt Gips Bergschuhe verordnet wurden, erinnert ihr euch? Jetzt passen sie perfekt!)

  • Die Akustik unter den Dachplatten lädt zum Singen ein - was dem Bären ein bisschen peinlich ist - wegen der Nachbarn.

    Die Kanten der zugeschnittenen Platten sind übrigens messerscharf, aber es gelingt uns, uns nicht die Waden aufzuschneiden. Selbstverständlich tragen wir Arbeitshandschuhe.

  • Es ist nicht heiß, einmal pieselt es sogar ein bisschen, aber es ist eindeutig wärmer als am Berg!

  • Das spricht für unser Renovierungsprojekt!


Und dann noch das Bärenfazit:

  • je 37mal rauf und runter

  • mit insgesamt 800kg Material,

  • das sind je 4km,

  • insgesamt 5180 Schritte und

  • 800 Höhenmeter.

  • Das stimmt ziemlich genau damit überein, was mir der Bär gestern vor dem Schlafengehen vorgerechnet hat...

  • ... da hab ich aber nicht zugehört.

Jetzt liegen jedenfalls all die Pfosten und Platten 800 - äh - 20m höher im Garten.

Die Schrauben liegen noch in Tiñor,

aber das macht nichts, die passen sogar in den Rucksack.

Der Babybär kann kommen!


Eine richtige kleine Wanderung war das: Nahe am Meer, nette Aussicht,

angenehme Temperaturen und gerade richtig weit!



P.S.1: Ich war heute gar nicht in der Werkstatt -

man soll sich ja auch ab und zu eine Pause gönnen!

P.S.2: Schönen Dank wieder einmal an Frau Butt, das Bauernhaus und der Schulterkleiderbügel haben mir sehr geholfen!

P.S.3: Am Heimweg habe ich ein paar Margeriten gepflückt.

Die sind für Michaela. <3


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