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Mir ist kalt, sagt der Bär, ...

  • Christine
  • 16. März
  • 2 Min. Lesezeit

... fahren wir ans Meer!

Gute Idee, sage ich, weil Meer ist immer eine gute Idee.

So fahren wir von Tiñor in den Mangogarten.

Und wieder zurück.

Ihr kennt diese Geschichten.


La mudada ist eine Tradition, die es hier auf El Hierro

bis weit ins letzte Jahrhundert gegeben hat.

Im Winter ist die ganze Familie mit Sack und Pack, Esel, Großeltern und Hausrat

in die wärmeren Ebenen am Meer gezogen.

Weil es dort schon Gemüse gab und Gras für die Tiere.

Im Sommer sind dann alle gemeinsam wieder auf den Berg übersiedelt.

Weil es unten zu heiß war.

Ein bisschen wie die Weidewirtschaft bei uns in den Alpen.


Wir wechseln auch.

Vom Berg ans Meer.

Vom Norden in den Süden.

Von hier nach dort.

Und wieder zurück.  


Im Herbst packen wir die Koffer und ziehen in den Süden.

Im Frühling kommen wir zurück.

Wir haben alles dabei.

Den Hund, die Wanderschuhe und die Schnorchelbrille.

Je eine Werkstatt hier und dort. Werkzeuge zum Mauern bauen und Dach renovieren für den Bären, Ton, Farben und Brennofen für mich.

Wir schleppen das nicht jedes Mal alles hin und her, das nicht.

Aber was wir im Koffer haben, ist schon manchmal bemerkenswert:

diverse kuriose Materialien, Werkzeuge und Ausrüstungsgegenstände in die eine,

Bilder, Tassen, Erdäpfel, und Mangos in die andere Richtung.


Vieles bleibt gleich, El Hierro ist nicht der Urwald, es gibt Strom, Wasser und Internet.

Und unsere persönlichen Rucksäcke haben wir sowieso immer dabei,

es ändert sich nicht das ganze Leben, weil man ein paar Kilometer in den Süden fährt.


Veränderungen passieren meistens langsam, kaum spürbar.

Das tun sie auch bei uns.

Und doch.

Es gibt ein Datum, einen Zeitraum, eigentlich zwei Zeiträume, den Sommer und den Winter. Gewissermaßen sortiert sich unser Leben in diese Zeiträume.

Die alltäglichen Abläufe sind ein bisschen anders.

Der Tagesrhythmus ist anders.

Die Menschen, die uns umgeben, sind andere.


Manches wird intensiver. Anderes verliert sich.


Dazwischen ist la mudada. Die Reise.

Heutzutage dauert eine solche Reise ja nicht lange.

Man steigt in ein Flugzeug und am Abend ist man schon am Meer.

In Wirklichkeit ist das nicht so.

Es sind immer mehrere Wochen, in denen wir auf der Reise sind.

In denen wir abschließen, planen und Rückschau halten.

Darüber nachdenken, wie sich was wo umsetzen lassen wird.

Ein bisschen wehmütig.

Ein bisschen vorfreudig.

Ein halbes Jahr ist eine lange Zeit.

Die so schnell vergeht.

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