Das Spiel ist die höchste Form der Forschung.
- Christine
- vor 5 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Albert Einstein
„It might not work“ is part of my working process. Craig Underhill
Ich schlaf noch ein bisschen, sagt der Bär.
Gute Idee, sage ich, ich gehe über den Ziegenberg und danach gibt es Kaffee.
Der Ziegenberg ist hier meine tägliche Morgenrunde.
(Nichts gegen den Kleebühel, der Kleebühel ist super,
aber der Ziegenberg ist - auch sehr super!)
Gleich beim Haus den Camino hinauf bis zur Kirche, an den Katzen vorbei,
links hinunter und in der Kurve den kleinen Weg in den Wald hinein.
Wir gehen seeeehr langsam, der Inspector und ich, vor allem bergauf,
aber das macht nichts, ein bisschen Bewegung ist gut für den alten Herrn
und die richtigen Wanderungen mache ich später alleine…
Hier ist schon Frühling, jeden Tag blüht es ein bisschen mehr.
Während der Inspector seinen Schnüffelungen nachgeht,
mache ich ein paar Übungen für meinen Rücken und schaue mir die Blumen an.
Und da fällt mir ein, ich hab genau so einen Stempel wie die Blüten hier,
diese Blätter würden gedruckt sicher schön aussehen,
die Struktur der Steine mit den Farben der…
das ist wie… ich könnte doch…
Unter dem Erikabaum bleiben wir ein bisschen stehen, um den Bienen zuzuhören.
Es riecht nach Blüten.
Eine kleine Plauderei mit einem Vogel, ein bisschen piep hin und her.
Von der alten Straße kann man auf den Hafen hinuntersehen.
Am Hang unter mir blühen die Mandelbäumchen.
Die Kühe sind schon wach.
Hoch oben auf dem Felsen macht es „pft!“, das sind die Ziegen,
die uns entdeckt haben und glauben, so können sie uns vertreiben.
Naja, wir wollten sowieso weitergehen, so sind alle zufrieden.
An der Ecke beim alten Wartehäuschen bläst immer ein bisschen der Wind
und an sonnigen Tagen riecht es nach Eukalyptus.
Fast immer nehme ich ein paar Blätter mit und stecke sie in mein Skizzenbuch.
Es ist wie beim Ton, wenn sie trocknen, verlieren sie etwas von der wunderbar tiefen Farbe,
der seidig glänzenden Oberfläche, werden zerbrechlicher, matter, sanfter.
Vielleicht ist es diese Parallele, die mich so sehr inspiriert?
Die mich immer wieder darauf zurückkommen lässt?
Ich finde ja auch den Ton am Allerschönsten,
wenn er frisch und noch ein bisschen feucht ist.
Das lässt sich nicht konservieren, und schon alleine darum muss ich
immer wieder neue Schalen machen... und immer wieder neue Blätter mitnehmen.
Was ist denn Inspiration anderes als ein Versuch, zu übersetzen?
(Nicht ganz genau, auch in der Literatur ist die Übersetzung ja eine eigene Kunst.)
Im Besten Fall gelingt es, das Eigentliche eines Werkes mit der Übersetzung einzufangen.
Und damit zu spielen und so etwas Neues, Eigenes entstehen zu lassen.
Während ich das schreibe, horche ich auf das beruhigende Fauchen meines Brennofens,
das Summen einer Hummel und Vogelgezwitscher.
Die Falken bauen ihr Nest in unserem Dragobaum
und ich habe der Amsel eine Schale Wasser aufgestellt, damit sie trinken kann.
Es ist fast geschafft, nur noch eine halbe Stunde die Temperatur halten und morgen,
beim Ausräumen, bin ich wieder einen Schritt weiter mit meinen Forschungen:
Ein paar Grad mehr, ein paar Grad weniger.
Die neue Glasurkombination eher oben oder unten im Ofen?
Schmilzt der Sand oder schmilzt er nicht?
Bleiben die aufgeschlickerten Porzellanpünktchen an Ort und Stelle?
Läuft die Glasur so drumherum, wie ich mir das vorstelle?
Solcherart sind die Fragen, die ich zu beantworten hoffe.
Und bei all der Spielerei habe ich jetzt doch auch schon ein paar gute Tassen
und sogar eine kleine Serie von Schälchen,
die einer Übersetzung meiner Morgenrunde
über den Ziegenberg schon recht nahekommen.
P.S.1: Wenn wir vom Ziegenberg zurückkommen,
riecht es im schönsten Haus der Welt nach Kaffee!
P.S.2: Drei meiner Tassen haben sich heute Vormittag auf den Weg nach Polen gemacht.
Auch wenn ich leider nicht polnisch spreche… Tassen sprechen alle Sprachen!
Und ich liebe diese kleinen Begegnungen mit Menschen aus aller Welt!




















































