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Es regnet.

  • Christine
  • 5. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Hier ist das so, als würde jemand die Dusche in unregelmäßigen Abständen auf- und abdrehen. Einfach so.

Dazwischen scheint ein paar Minuten die Sonne, dann wird es wieder finster.

Der Wind spielt mit den Wolken fangen.


Meistens wird die Dusche gerade dann aufgedreht, wenn man sich fertig angezogen hat.

Zum Rausgehen.

Oder wenn man sich auf halber Strecke der - bei diesem Wetter und weil der Inspector ja schon ein alter Herr ist ohnehin nur winzig kleinen - Hundepinkelrunde befindet.

Zehn Minuten Hunderunde, fünf davon unter der Dusche.


Es ist auch stürmisch.

Was bedeutet, dass der Regen manchmal unter der Türritze hereinkommt. Oder beim Fenster. Man merkt das aber eigentlich immer erst, wenn man mitten drin steht.

In Socken, versteht sich.

So ist das hier. Schon seit Tagen.


Ich brauch Bewegung, sagt der Bär, gehen wir ein bisschen spazieren.

Gute Idee, sage ich, geduscht haben wir ja schon.

Wir nutzen also die nächste Regenpause um uns auf die Moto zu schwingen.

In der Hoffnung, dass die dicksten Wolken sich nur und genau über Tiñor befinden.

Wir wollten übrigens sowieso die neuen Regenhosen testen.


Und tatsächlich, es wird heller.

Wir wollen einen neuen Weg ausprobieren, am Vulkan oberhalb vom Mangogarten entlang,

der Bär hat ihn auf dem Satellitenbild entdeckt.

Kein richtiger Weg, eher so eine Spur im Geröll.

Beim Bären ist das nämlich so: Wandern mag er nicht so gern.

Schon gar nicht auf einem markierten Weg und quasi einfach so vor sich hin, mit oder ohne Ziel. Zu kalt, zu heiß, zu anstrengend und überhaupt…

Etwas völlig anderes ist es, wenn sich eine Abzweigung mit unbekanntem Ziel auftut.

Möglichst unwegsam, mehr so eine Ahnung von einem Weg.

Kaum nehmen wir diese Abzweigung, werden die Bärenschritte deutlich flotter und elastischer, der Bärenblick wird wach und die Bärennase hebt sich in den Wind: eine Expedition!


Wir klettern also durch unwegsamstes Gelände, wobei der Bär eher das Problem hat, dass das Geröll unter seinen Schritten wegrutscht, ich hingegen muss aufpassen,

dass mich der Sturm nicht umbläst…

man muss sich in jedem Fall gut konzentrieren, nicht nur darauf, den kaum sichtbaren Weg nicht zu verlieren, sondern eben auch darauf, nicht umzufallen.

So ist das bei Expeditionen, da könnt ihr Herrn Messner fragen.


Aber es lohnt sich.

Wir finden Steine.

Klar, der ganze Berg ist ein Steinhaufen, aber es gibt doch immer besondere Steine.

Solche, die wie ein Vogelkopf aussehen, solche, die rund wie Tennisbälle sind,

solche die aussehen als wären sie glasiert und solche, die in allen Farben schillern.

Die meisten sehen aus wie - äh - Kackehäufchen. Man möchte sie einsammeln und den unbeliebten Nachbarn vor die Haustür legen.

Unsere Nachbarn hier sind aber sehr nett.

Wir lassen die Steine also liegen.


Wir finden auch Knochen. Große Knochen. Es muss sich um eine Kuh handeln.

Warum, wie und wozu eine Kuh in diese Steinwüste gelangt ist…

das kann man sich fragen. Muss man aber nicht.


Und wir finden Farben. Farben von der Art, wie sie auch gebrannter Ton hervorbringt.

Braun, Rot und Schwarz, mit Tupfen von Grün.

Sogar allerhand Grün, man kann sich nicht sattsehen daran!


Natürlich regnet es auch.

Für die Farben ist das gut, es macht sie noch intensiver

und der Wind föhnt uns schnell wieder trocken.

Und dort, wo der Regenbogen aufs Meer trifft, gibt es Goldfische.


Beim Nachhausefahren auf der Moto spritzen nur die Lacken - und ich schaffe sogar noch eine ganze Hunderunde, bevor die Dusche wieder aufgedreht wird.

Das ist uns aber jetzt auch egal, das Feuer brennt, bis morgen sind die Hosen wieder trocken und wir haben ein richtiges kleines Abenteuer erlebt.

 

Wenn man es aber einmal als natürlich annimmt, im Regen nass zu werden, kann man mit unbewegtem Geist bis auf die Haut durchnässt werden. Diese Lektion gilt für alles.

H. Steinfest, Die Haischwimmerin

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