top of page

Fräulein Sophie geht tanzen...

  • Christine
  • 23. März
  • 3 Min. Lesezeit

Während ich kleine Porzellanpünktchen auf Tassen klebe, denke ich lunares.


„Es ist eine pragmatische Kunst, die man nur spielerisch üben und lernen kann“,

schreibt Andreas, ein Freund, der wie wir einen Teil des Jahres auf El Hierro lebt,

in seinem Buch (Andreas Nebelung, El Hierro - Übergang ins andere Haus)


Er sagt es in einem anderen Zusammenhang, nicht im künstlerischen.

Er meint das weniger Werden, das einfacher Werden, das sich mit der Natur verbinden,

das sich hier, wo alles kleiner, weniger, naturverbundener ist,

wo man viel mehr mit dem Wetter und den Jahreszeiten lebt,

wo es einiges, das wir gewohnt sind, nicht oder nicht so gibt

und wir es auch nicht, wie wir es gewohnt sind, schnell bestellen können,

das sich also hier quasi von selbst einstellt.

Und doch geübt werden will.

Gewohnheiten zu ändern fällt uns oft nicht leicht.

Vor allem, wenn es um (scheinbaren) Verzicht geht.


Auch meine Arbeit ist eine pragmatische Kunst.

Eine Fertigkeit, die es zu erlernen und weiterzuentwickeln gilt,

viele Arbeitsschritte und für alle der richtige Zeitpunkt.

Verantwortung im Umgang mit Materialien, Rohstoffen, Maschinen und hohen Temperaturen. Physikalische und chemische Gegebenheiten.

Praktische und sicherheitsrelevante Erwägungen.

All diese Dinge.


Aber.

Es ist noch so viel mehr.

Der Ton erdet und zentriert mich.

Er macht mich zur Schöpferin meiner eigenen Welt, ist flexibel und wandelbar,

lässt mir jeglichen Gestaltungsspielraum.

Die Berührung des Materials führt auch mich zu einer inneren "Berührtheit".


Es macht so viel Freude, mit Ton zu arbeiten, zu üben, sich auszudrücken und

schrittweise zu verbessern und immer tiefer in die Materie einzudringen.

Neugierig, Spielerisch. Experimentell.

Es gibt so viel zu entdecken.


Ich habe viele Tassen gemacht und viel ausprobiert.

Strukturen, Oberflächen, Formen.

Die meisten sind sosolala und trotzdem bin ich zufrieden!

Ich habe viel gelernt über den Ton, über Temperaturen, über Steine und über mich.

Ich habe Klarheit gewonnen darüber, was und wie und wohin ich will.

Und neue Erkenntnisse über den Einsatz von Essig, Sanden, vulkanischen Gesteinen, Glasurresten und Porzellanpünktchen.

Die (scheinbaren) Einschränkungen empfinde ich als Gewinn.

Viele Materialien sind hier nicht verfügbar.

Auf der Suche nach Alternativen und Möglichkeiten gehe ich neue Wege.


Wenn ich es jetzt zusammensammle und aufschreibe und

alle Tassen der letzten Monate noch einmal anschaue und darüber nachdenke,

was die Idee war und was daraus geworden ist und wie sich alles entwickelt hat…

dann ist es ganz schön viel.


Es ist mir tatsächlich gelungen, Tassen zu machen,

die sich für mich so anfühlen wie Eukalyptusblätter -

nämlich genau richtig, einfach so, wie sie sind.

Mit all ihren Unregelmäßigkeiten, Flecken und Rändern.


Und genau das ist es, das ist mein Fazit für diesen Winter:

Es ist, was es ist.

Und als solches ist es perfekt.


So einfach.

Und so schwierig.


So einfach, weil es im Grunde genommen „nur“ darum geht, man selbst zu sein,

das zu tun und so zu gestalten, wie es unserer ureigensten Persönlichkeit entspricht.


Und so schwierig, weil genau das das Alleranspruchsvollste überhaupt ist.

Herauszufinden, was das ist, was uns ausmacht.

Sei es in der Kunst oder im Leben. Man kann das ja gar nicht trennen.

Es geht ja ganz und gar nicht darum, einfach irgendetwas zu machen,

und dann passt das schon.

So ist es nicht gemeint.

Es geht darum, genau das richtige zu machen.


Und dann sind da ja auch noch all die technischen Herausforderungen.

All das umzusetzen, was wir über uns herausgefunden haben.

Als Tasse umzusetzen.

Oder als Bild, als Garten, als Kuchen, als Forschungsprojekt,

was auch immer es ist, das uns umtreibt.

Mit all dem jeweils notwendigen Wissen und all den jeweils notwendigen Fähigkeiten.

Eine pragmatische Kunst spielerisch zu üben und lernen.


Verwurzelt schweben.

Auf der Basis dessen, was wir sind und was wir können, uns in die Lüfte erheben.

Verankert und verwurzelt in unserem Sein.

Sein im Tun.

Darum geht es.


P.S.1: Noch sind die Tassen auf den Fotos nicht fertig, sie sind noch nicht glasiert.

Es gibt noch keine Fotos von den fertigen...


P.S.2: Was das alles mit Fräulein Sophie zu tun hat?

Nun, das ist eine andere Geschichte für einen anderen Montag...

bottom of page