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Vom Boden, von der Mitte und vom Drumherum…

  • Christine
  • 16. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Dinge verändern sich nicht, sie sind oder sie sind nicht.

Magie bedeutet, zu vergessen, dass die Welt je anders war, als du sie haben willst.

Katherine Arden, die Hexe und der Winterzauber

 


Jede Schale beginnt als ein Klumpen Ton.

Beim Zentrieren bilden Boden, Mitte und Wand zunächst eine Einheit.

Die Mitte ist ein Punkt oder eigentlich eine Linie.

Eine Achse, um die der Ton sich dreht.


Die Kraft, die wir zum Zentrieren brauchen, kommt aus unserer Körpermitte.

Erst dann, wenn wir vergessen, was genau wir tun,

wenn wir aufhören, darüber nachzudenken, in welche Richtung wir den Ton drücken müssen, erst, wenn wir selbst ganz und gar zentriert, ganz und gar fokussiert und

in unserer Mitte angekommen sind,

erst dann gelingt es quasi mühelos, den Ton zu zentrieren.

Es sieht aus wie Zauberei.

Und doch.

Es braucht Kraft.

Immer.

Auch Vögel brauchen Kraft, um zu fliegen.

Und doch tun sie es scheinbar schwerelos.  


Wer es probiert hat (das Fliegen? das Zentrieren?),

weiß das, weiß aber auch: wenn wir die Anstrengung vergessen,

kommt der Moment, wo es ganz leicht wird.

Weil wir in unserer Mitte sind.

(Ist die Mitte ein Ort? Ein Zeitpunkt? Ein Gefühl?)


Zentrieren. Öffnen. Hochziehen.


Die Basis ist nicht dasselbe wie die Mitte.

Wir alle haben die eine oder andere Unregelmäßigkeit in unserer Basis.

Schlecht zentriert, Steinchen, kleine Luftblasen oder eine Drehplatte, die nicht richtig sitzt.… Manches lässt sich vermeiden: das Zentrieren kann man üben, Steinchen heraussieben, Luftblasen herauskneten und die Drehplatte fixieren.

Das alles sollte man tun, bevor man den Ton öffnet und hochzieht.


Aber manchmal geht das nicht.

Manchmal ist es das Material selbst, das unregelmäßig ist,

manchmal ist es unsere innere Unruhe und

manchmal bemerken wir es ganz einfach erst, wenn der Ton geöffnet ist.

Dann kann es immer noch gelingen, die Steinchen und die Unruhe am Boden zu lassen,

die Wand hochzuziehen, den Raum für die Mitte zu öffnen.

Nicht immer ganz perfekt. Nicht jede Mitte ist perfekt rund.

Aber.

Eine Schale, die nicht ganz regelmäßig ist, kann absolut funktionstüchtig sein.

Wunderschön sogar.

Gerade deshalb.

Die Unregelmäßigkeiten machen sie unverwechselbar.

Einzigartig.

Das sollten wir nicht vergessen.


Der Boden bildet die Basis.

Wenn wir den Ton öffnen und den Boden setzen, wird die Mitte zu einem Raum.


Eine Schale kann etwas aufnehmen, sie kann gefüllt werden, kann bergen und halten.


Das könnte sie nicht, wenn sie nur aus der Mitte bestünde.

Ohne das Drumherum gäbe es diesen Raum gar nicht

und ohne den Raum der Mitte würde alles in sich zusammenfallen.


Das, was wir hochziehen, formen und gestalten - und wie wir es tun -

ist nicht unwichtig, ganz und gar nicht.

Unverzichtbar sogar.

Nur mit dem Drumherum kann der Raum, der die Mitte ist, bestehen.

Nur so kann er sichtbar und in seiner bergenden, aufnehmenden,

tragenden Funktion nutzbar werden.


In meiner Vorstellung sind Schalen wie Eukalyptusblätter, wie Fische und Blumen.

Was das bedeutet?

Es bedeutet, dass sie ganz genau das sind, was sie sind.

Mit ihrer Form, ihrer Farbe, ihrer Funktion.

Vielfältig, einzigartig und doch klar.

Ein Eukalyptusblatt ist ein Eukalyptusblatt. Eine Schale ist eine Schale.

So einfach ist das.

Und so schwierig.


Bin ich mir meiner Basis - und meiner Mitte - sicher,

dann kann ich aufhören, mich festzuklammern.

Am Boden oder an der Idee, zu fliegen und eine zu sein, die ich nicht bin.

Weil Giraffen nicht fliegen.

Weil Schalen keine Eukalyptusblätter sind.

Aber.


Wenn ich mich auf meine Mitte konzentriere,

auf das, womit ich sie fülle und gefüllt haben möchte, dann -

ja, dann fliege ich, ohne es zu merken.

Ganz ohne Anstrengung.


Fische können nicht fliegen.  

Und doch gibt es sie, die fliegenden Fische, die das für einen Augenblick vergessen,

ohne deshalb aufzuhören, Fische zu sein.


P.S.1: Ich widme diese Gedanken über die Mitte als Raum meiner Freundin Frau Butt, die mir immer wieder hilft, den Fokus auf meine Mitte zu legen und der ich selbiges gerade jetzt ganz besonders fest wünsche!

P.S.2: Ich widme diese Gedanken auch meiner Freundin J..

Deine Torten sind meine Tassen.

Und gewissermaßen ist das eine Antwort auf deine letzte Nachricht.


 
 

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