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So ist das hier...

  • Christine
  • 22. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Ich fahr ans Meer, sagt der Bär, in den Hafen.

Gute Idee, sage ich, ich arbeite noch ein bisschen und komm dann später nach.

Elf Gefäße, sieben Henkel und eine Hunderunde später marschiere ich los.

Den Camino hinauf bis zur Kirche, links hinunter zum alten Wartehäuschen,

dann an der Kasperlmütze vorbei den steilen Weg zum Hafen hinunter.

Das alte Wartehäuschen… aber das ist eine andere Geschichte.


Diesen Weg benutzt sonst niemand mehr.

Obwohl.

Nach ein paar Metern stehe ich vor einer… Türe.

Wäre das hier ein Roman von Heinrich Steinfest, dann wäre es eine Türe, die ich öffnen und durch die ich hindurch gehen könnte, um wer weiß wohin zu gelangen.

In die Zukunft oder nach Japan… wenn auch vielleicht nur im Traum…


Hier aber und im richtigen Leben ist es eine Tür, die einfach quer zwischen zwei Steine geklemmt wurde und über die ich leicht drübersteigen kann….

Was ich auch tue, um erst dann den Sinn der Türe zu begreifen:

als nämlich ein kleines Rudel Schweine aufgeregt auseinanderspritzt.

Kleine schwarze Schweine, die mich einerseits mit ihren speckigen Bäuchen an Barockengel erinnern, andererseits mit ihren dünnen Beinchen auch an diese dicken Damen mit

winzig kleinen Füßen, die man aus alten Comiczeichnungen kennt

und denen man in Wien auch manchmal tatsächlich begegnet.


Wieauchimmer, die Schweine sausen quiekend ins Gebüsch und ich will weiterwandern.

Nur eines, eine etwas größere Schweinedame, steht unterhalb noch auf dem Weg.

Ich bin jetzt zwischen ihr und den anderen Schweinen und wir verhandeln quasi,

wie wir das Aneinandervorbeikommen auf dem schmalen Steig anlegen.

Wir sind beide ein wenig unsicher und beäugen einander zunächst einmal.

Es ist wie ein kleines Gespräch, beide Seiten sehr höflich und vorsichtig.

Du links, ich rechts? Mit ein bisschen Abstand …?

Ich steige dann auf einen großen Stein am Wegrand,

die Schweinedame flitzt vorbei zu ihren Freunden und ich klettere weiter bergab.


Der Hafen ist von Tiňor nicht sehr weit weg,

also, Luftlinie.

Aber man muss 900 Meter hinunter.

Ein schöner Weg.

Steine, Kakteen, Zistrosen, alles ziemlich grün zur Zeit… und steil.

Ziegen- und Schweinesteil.

Wobei die Schweine den oberen Abschnitt bevorzugen, wo der Weg noch etwas breiter ist und sich gut aufwühlen lässt, die Ziegen eher den unteren, wo man dann wirklich kraxeln muss.

Ich mag beides.


Im Hafen unten ist es warm.

Badehosen- und Schnorchelwarm.

Das wussten wir natürlich,

beziehungsweise haben wir es erwartet, darauf gehofft und uns darauf gefreut.

Aber... auch das ist eine andere Geschichte.


So ist das hier.

Oben ist es kalt.

Unten ist es warm.

Könnte schlimmer sein.

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