top of page

Man kann sich nicht einfach so durchs Leben schieben, ohne sich um den Himmel zu kümmern...

Christine
7. Okt.
3 Min. Lesezeit

... einmal die Woche da oben putzen.

Und dienstags die Sterne ausschütteln, die verfilzen sonst.

aus Irma tanzt von Helene Bracht



Du hast hier ziemlich viele Tassen im Schrank, sagt der Bär,

du könntest eine Ausstellung machen.

Gute Idee, sage ich, dann wird hier Platz für neue Tassen …


Die Sache ist die:

Ich arbeite so vor mich hin, sammle Tone, schmelze Sande,

verbrenne Holz zu Asche und denke mir Geschichten dazu.

Manchmal kommt die Geschichte zuerst, oft ergibt sie sich aus der Arbeit selbst. Irgendeine Geschichte gibt es immer.


Die Geschichte vom Silberlöffel, den ich als Kind von meinen Großeltern bekommen habe und der ein unverzichtbares Polierwerkzeug für mich geworden ist.


Die Geschichte von der blauen Glasur, die mich an den Himmel und ans Meer erinnert.


Die Geschichte von Georg, der meine alten Tassen lieber mag,

weil sie nicht so perfekt sind.


Die Geschichten von hier und dort, vom Bären und von den Fischen.


Die Geschichte von der Libelle, die abends immer durch meinen Garten fliegt.


Die Geschichte von der Fichte, die wir fällen mussten

und von der neuen Feuergrube, an der der Bär und ich so gerne sitzen

und wie wir dort das Holz zu Asche verbrennen,

die dann zu Glasur wird.


All die Geschichten von Freude und Anstrengung, Neugierde und Unzufriedenheit,

Begeisterung und Ungeduld, Motivation und Müdigkeit, die durch meine Werkstatt gehen.



Das arbeiten mit Ton ist immer auch ein Arbeiten mit sich selbst.

Da geht es immer auch um die eigenen Geschichten.

Nicht immer bewusst, nicht immer im Vordergrund.

Das ist gar nicht nötig.

Aber doch.


Meine KursteilnehmerInnen wissen das.

Oder finden es schnell heraus.

Weil genau dort wird es spannend.

Dort, wo wir nicht nur einfach Tassen machen,

sondern diese Tassen auch eine Geschichte erzählen.

Die Geschichte ihrer Entstehung.


Und.


Ton ist ein Material, das Energien speichert.

Das ist alles da drin.

Spürbar.

Wenn ich mit dem wiederaufbereiteten Ton arbeite,

kann ich sie spüren, all diese Geschichten.


Ihr könnt euch das nicht vorstellen?

Ihr meint, ich bilde mir das ein?

Ja. Vielleicht.


Das macht aber genaugenommen überhaupt gar keinen Unterschied.

Es geht hier um Geschichten, vergesst das nicht.


Aus all meinen Geschichten entstehen viele Schalen, Tassen,

Teller und Becher, die ich in meinen Regalen staple.

Sind sie einmal fertig, widme ich mich der nächsten Geschichte.

Weil es so viele Geschichten gibt, weil sie alle in meinem Kopf sind

und weil ich so gerne Geschichten erzähle.


Und weil eines zum anderen führt.

Aus jeder Idee entstehen neue Ideen,

manchmal sind die Nebenfiguren spannender als die Hauptdarsteller,

manchmal geht es um ganz kleine Details, denen man dann eine Weile folgt.


Es ist wie ein Wanderweg.

Man kann zielstrebig am Hauptweg bleiben.

Man kann aber auch die vielen kleinen Nebenpfade erkunden,

schauen, was hinter diesem Stein, jenem Baum

oder auf der anderen Seite des Baches zu finden ist.

Immer dauert das dann viel länger, als geplant.

Manchmal verirrt man sich dabei.

Aber.


Ich verirre mich leidenschaftlich gerne auf diese Art.


Jetzt könnte ich immer so weiter machen, Schale um Schale töpfern,

Geschichte um Geschichte erzählen, Regal um Regal füllen…


Aber.


Geschichten wollen nicht nur erzählt, sie wollen auch gehört werden.

Tassen wollen nicht nur gestaltet, sie wollen auch benutzt werden.


Weil dann erzählen sie ihre Geschichte weiter.

Dann vermischen sich meine Geschichten mit den euren.

Dann entstehen Verbindungen.


hier ist der Link zum aktuellen Newsletter: Post aus 1000blum

bottom of page