top of page

Verwurzelt schwebe ich... wenn ich ganz bei mir bin.

  • Christine
  • 11. Aug.
  • 2 Min. Lesezeit

Agnes Pfeffer




Manchmal setze ich mich an die Töpferscheibe.

Schalen, ja – oder doch Tassen… oder???

Das sind die Tage, an denen ich den Ton nicht zentriert bekomme,

an denen alles zu dick oder zu dünn wird, jedes Teil anders aussieht

und ich mich nicht entscheiden kann, was ich eigentlich will.

Mir fehlt das Warum.


Manchmal möchte ich eine neue Technik ausprobieren.

Ich habe ein Buch gekauft und alles vorbereitet, Probestücke, Pigmente, wasauchimmer…

aber irgendwie… was mache ich da eigentlich?

Mir fehlt das Warum.


Manchmal plane ich ein neues Angebot.

Ich habe schon einen Namen, einen Termin auch …

aber wenn ich ins Detail gehen will, verschwimmt alles, ich weiß plötzlich nicht mehr, worum es eigentlich geht, verheddere mich in meinen Gedanken…

Mir fehlt das Warum.


Manchmal möchte ich etwas ganz Großes machen,

etwas Wunderschönes, noch nie Dagewesenes.

Ich wünsche mir meine Arbeit in Galerien und Museen.

Ich möchte entdeckt werden, berühmt sein und viel Geld verdienen.


Aber.


Dann erzählt mir Rosi, wie sehr sie meine Tassen liebt,

Katharina möchte unbedingt eine mit nach Neuseeland nehmen und

Vincent probiert jeden einzelnen Henkel, bis er den für seinen Finger perfekten entdeckt.


Dann gelingt eine Glasurkombination ganz und gar perfekt,

ich finde endlich eine passende Form,

mit der ich ganz einfach Urnen für die Aschekapsel machen kann

und die Rauchbrandexperimente mit Salz und dem alten T-Shirt,

das jetzt wirklich nur mehr aus Löchern bestanden hat, ergeben wunderschöne Nuancen.

Und…


Und dann vergesse ich alle Museen und Galerien.

Und weiß ganz genau, warum.


Mein Warum ist die Neugierde.

Die Neugierde auf Materialien, Techniken und Zusammenhänge.

Die Neugierde auf Menschen und ihre Geschichten.

Die Neugierde auf all die Fülle, die die Natur uns zu bieten hat.


Mein Warum ist die Freude.

Die Freude am Prozess, am Drehen, Abdrehen und Dekorieren.

Die Freude an der Freude der Benützer*innen meiner Tassen.


Und die Freude am Geschichten erzählen.

Die Geschichte vom Meer und vom Wind.

Die Geschichte von der Libelle, die mich jeden Abend in meinem Garten besucht.

Die Geschichte vom schönsten Haus der Welt.

Die Geschichte von der roten Glasur, die jetzt fast aufgebraucht ist.

Die Geschichte von L, für die ich eine Urne bauen durfte.

Geschichten von Giraffen und Bären,

Fingern, Werkzeugen, Spuren und tanzenden Mädchen.


Ich erzähle Geschichten nicht nur mit Worten.

Ich erzähle Geschichten mit Tassen, Schalen und Tellern, Bildern, Figuren und Gefäßen.


Und wenn ich den Ofen ausräume und so eine Geschichte dann in der Hand halte -

und wenn es mir gelungen ist, etwas von dem, was ich mir ausgedacht habe, umzusetzen

... dann muss es gar nichts Großes sein,

nichts Weltbewegendes und noch nie Dagewesenes.


Dann ist es die kleine grüne Schale, die sich genau so anfühlt,

wie Manuela es sich gewünscht hat.



P.S.1: Der Bär kocht Mangomarmelade, ihr müsst also mit meinen Fotos vorlieb nehmen.

P.S.2: Es gibt noch immer Wohnzimmertomaten!

P.S.3: Ich wünsche mir eure Geschichten - mehr dazu weiter unten...

P.S.4: das ist der Link zum aktuellen Newsletter: Post aus 1000blum

bottom of page