top of page

„Und bist Du nicht willig, so brauch' ich … Geduld“

  • Christine
  • 12. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

(Peter Kruse)



Ich pflanze Bohnen, sagt der Bär, und Salat und Zwiebeln.

Gute Idee, sage ich, ich liebe Bohnen und Salat und Zwiebeln.

Wir pflanzen also und streuen Samen und schaufeln Kompost.

Jeden Morgen gehe ich in den Garten.

Gieße und zupfe und rede ein bisschen mit den Pflänzchen.

Und jeden Tag sind sie ein kleines bisschen gewachsen.

Das dauert.

Ungeduld bringt nichts.

Deswegen wächst nichts schneller.


Die erste Ofenladung Tassen ist rohgebrannt.

Die richtig guten, die, die „Fräulein Sophie geht tanzen“ heißen werden

und die ich - als Idee - aus dem Inselwinter mitgebracht habe.

Soweit so klar.

Jetzt geht´s ans Glasieren.

Hier ist alles ein bisschen anders. Die Glasuren sowieso.

Die Arbeit den letzten Winter über hat meinen Zugang zum Glasieren

ein kleines bisschen verändert. Ich suche nach neuen Kombinationen,

nach Tonen, die ich in die Glasuren mischen kann um ihre Struktur zu verändern,

nach dem richtigen Verhältnis von Asche, Ton und - ja, was eigentlich genau? Farbkörper? Sand?

Ich habe da so Ideen… das Experimentieren geht weiter.

Das dauert.

Ungeduld bringt nichts.

Deswegen trocknet nichts schneller.


Wir gehen Hunderunde, der Inspector und ich.

Früh am Morgen, zum Bach hinunter, bis zur Brücke

und auf der anderen Seite wieder zurück.

Was früher die „kleine“ Runde war ist jetzt eine Herausforderung.

Schritt für Schritt, Grasbüschel für Grasbüschel.

Das dauert.

Ungeduld bringt nichts.

Deswegen geht es nicht schneller.


Wir fahren in den Wald.

Mit dem Bären auf der Moto, hier wie dort.

Der Wald ist anders hier. Anders und wunderschön.

Buchen. Lärchen. Heidelbeerbüsche.

Keine Eukalyptusblätter.

Aber das macht nichts, in meinem Skizzenbuch stecken noch viele,

damit komme ich gut über den Sommer.

Ich entdecke zwei Sorten Sand, gelben und grauen.

Am liebsten würde ich sie sofort in den Tonschlicker mischen.

Aber zuerst die Schmelzprobe.

Um herauszufinden, wie ich damit arbeiten werde können.

Das dauert.

Ungeduld bringt nichts.

Deshalb brennt der Ofen nicht schneller.


Es fällt mir hier schwerer, die Worte zu weben.

Meine Tage sind voller Begegnungen, voller Termine und Bestellungen.

Mein Kopf ist voller Ideen, voller Projekte und Kursangebote.

Hier ist alles mehr und größer und produktiver.

Das ist gut so.

Ich mag viel und groß und produktiv den Sommer über.


Und doch.

Wenn ich an meiner Töpferscheibe sitze,

wenn ich drehe, abdrehe, henkle, der Ton trocknet, gebrannt wird,

glasiert und noch einmal gebrannt…


Das dauert.

Ungeduld bringt nichts.

Deswegen geht nichts schneller.

Hier wie dort.


Und ich bin unglaublich froh, dass das so ist.


das ist der Link zum kompletten Newsletter: Post aus 1000blum

bottom of page