Große Dinge entstehen durch eine Reihe kleiner Dinge, die zusammen kommen.
- Christine
- 13. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Vincent van Gogh

Heute ist Montag.
Ja und?
Montag ist Geschichtentag.
Ahja. Und was erzählst du heute?
Keine Ahnung.
Heute ist so ein Tag, an dem nichts von alldem,
was ich euch erzählen könnte, sich wichtig genug anfühlt, um es zu erzählen.
Ich könnte euch von meiner Morgenrunde erzählen:
Mit dem Fahrrad ein Stück auf der Bundesstraße,
dann links hinunter in die Au und wieder den Berg hinauf bis zur großen Wiese.
Dort lasse ich das Rad stehen und gehe in den Wald.
Im Wald ist es still und weit.
Blätterrascheln. Vogelrufe. Meine Schritte.
Manchmal erzähle ich den Bäumen etwas auf Spanisch.
Zum Üben.
Ich könnte euch vom Bären erzählen, der sich auf die Mangoernte vorbereitet
und für dessen Geburtstag im Herbst ich das beste Geschenk ever gefunden habe -
aber psssst! - das ist eine andere Geschichte.
Ich könnte euch erzählen, wie gut mir der Morgenkaffee schmeckt,
wenn ich ihn in der Sonne auf der Hausbank trinken kann,
wie schön es ist, wenn der Bär mir in der Mittagspause ein Frühstück vorbereitet hat,
wie liebevoll er das macht und wie sehr ich diese Momente schätze,
wenn wir dann gemeinsam hinterm Haus sitzen und einfach da sind.
Ich könnte euch von meiner Werkstatt erzählen.
Wie gerne ich dort arbeite.
Wieviel Unterschied dieser Raum für mich macht.
Ich könnte euch von meinen KursteilnehmerInnen erzählen.
Wie wir uns gemeinsam auf eine Ausstellung vorbereiten,
wie wir verwurzelt schweben, wie Ideen entstehen, sich entwickeln,
verworfen und am Ende in ganz neuer Form doch verwirklicht werden.
Ich könnte euch vom Inspector erzählen.
Wie er oben an der Stiege steht und darauf wartet, dass ich ihn hinuntertrage.
Wie er mich sucht, obwohl ich neben ihm stehe.
Wie er sich freut, wenn er mich findet
und wie er dann für ein paar Augenblicke springt wie ein junger Hund.
Ich könnte euch von meinen Projekten erzählen.
Wie viel Zeit es oft braucht, bis aus einer Idee etwas Konkretes wird.
Wie viele Arbeitsschritte, wie viele Versuche,
wie viel Recherche, wie viele Reflexionsphasen…
Wie sehr ich das liebe und wie sehr es mich doch oft auch anstrengt und belastet,
weil es so viel Kraft, Zeit und Geduld kostet.
Ich könnte euch von meiner Ungeduld erzählen,
wenn etwas nicht so gelingt, wie ich mir das vorstelle,
von meiner Unsicherheit, meiner Traurigkeit und meinen Zweifeln…
und von der Müdigkeit.
Ich könnte euch von meinem Garten erzählen,
vom Kürbis, der hoch hinauf in den Marillenbaum wächst - wie Riesenmarillen.
Von den Gurken, die ich so gerne zum Butterbrot esse,
von den Salaten, die einen halben Meter hoch wachsen und immer noch gut schmecken, vom Frosch, dem ich beim Gießen immer wieder begegne
und von den Meisen, die jetzt in einem anderen meiner Gefäße brüten…
Ich könnte euch von meinen FreundInnen erzählen,
von Gesprächen und Blicken und Umarmungen.
Und wie wertvoll das ist.
Ich könnte euch vom Kindersommer erzählen,
von der Ausdauer, mit der die Kinder an den Töpferscheiben arbeiten,
von der Freude, mit der sie ihre wilden Kerle gestalten,
vom Staunen der Eltern, wenn sie gezeigt bekommen, was wir geschaffen haben
und von all den kleinen Gesprächen, Fragen und Antworten
über Trauerweiden und Familien und alte Hunde
und wie das ist, wenn man zwei Zuhause hat.
Das alles und noch viel mehr könnte ich euch erzählen
und nichts von alledem ist für sich genommen besonders wichtig oder groß.
hier ist der Link zum aktuellen Newsletter: Post aus 1000blum




