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Wenn mir in einem Jahr 300 Ideen einfallen und nur eine davon nützlich ist, bin ich zufrieden.

Christine
8. Sept.
3 Min. Lesezeit

Alfred Nobel




Ich habe viele Ideen.

Mehr als ich jemals verwirklichen kann.

Und ich mag das.

Es ist wie mein Stapel ungelesener Bücher.

Ein Schatz, ein Vorrat für Zeiten, die möglicherweise niemals kommen,

auf die ich mich aber freue -

ihr wisst schon, espero, ich warte, hoffe und freue mich…


Ich weiß, dass das nicht alle so sehen.

Für viele sind diese angedachten Ideen, diese ungelesenen Bücher belastend.

Manche verlassen sich eher auf einen gut gefüllten Kühlschrank.

Was wiederum mich stresst.

Ich habe Zucchini im Garten, die wachsen jeden Tag nach

und Zucchini kann man wirklich immer essen.

Also.

Ein paar Wochen lang.

Wenn man auch Gurken hat zum Abwechseln.

Bis die Kürbisse reif sind.


Es gibt einfach wichtigere Dinge:

Tonerden sammeln, Brenn- und Schmelzproben machen.

Glasuren mischen.

Geschichten schreiben und Pläne schmieden.

Mit dem Specht und der Libelle plaudern…


Ich denke darüber nach, wie ich das moderne Leben,

das so viele (scheinbare) Annehmlichkeiten bietet,

mit der Einfachheit eines Jahrtausende alten Handwerks in Einklang bringen kann.

Erde. Wasser. Luft. Feuer.


Ich denke darüber nach, wie viel Aufwand an Rohstoffgewinnung, Produktion, Verpackung, Transport usw. in vielen Produkten steckt, die wir benutzen

und wo es Alternativen geben könnte.

Alternativen, die die Natur schonen und uns zugleich

einen intensiveren Kontakt zu dem, was wir tun, ermöglichen.

Die Palette unserer gestalterischen Möglichkeiten vielleicht sogar erweitern.


Ich denke darüber nach, wie ich meine Arbeitsabläufe nachhaltiger gestalten,

noch besser mit den vorhandenen Ressourcen umgehen kann.

Energie. Wasser. Chemikalien.

Meine eigenen Kräfte.


Ich denke darüber nach, wie ich weniger einkaufen

und mehr von dem nutzen kann, was mich umgibt und was schon da ist.

„Wilden“ Ton, Holzasche, Ton- und Glasurreste, Sande, Pflanzenmaterialien.


Sehr oft geht es viel einfacher.

Wobei.

Einfacher im Sinne von weniger Arbeit ist es tatsächlich nicht immer.

Natürliche Materialien müssen gesammelt und aufbereitet werden.

Das kann aufwändig und zeitintensiv sein.


Aber es geht mir gar nicht um weniger Arbeit,

schnellere Arbeitsabläufe oder bequemere Produkte.


Mir geht es um Verbindungen.

Verbindungen mit der Region, in der ich lebe.

Verbindungen mit den Materialien, mit denen ich arbeite.

Verbindungen mit den Menschen, denen ich begegne.


Das alles ist ein Prozess.

Und immer wieder auch ein Kompromiss.


Ich benutze auch Ton aus der Plastikverpackung.

Weil zum Drehen an der Töpferscheibe Naturtone ohne aufwändige Aufbereitung

oft nicht gut geeignet sind

Ich benutze auch bunte Plastikdosen mit keramischen Farben.

Weil es für KursteilnehmerInnen oft auf verlässliche Ergebnisse ankommt.

Nicht jeder möchte jahrelang experimentieren.


Ich benutze auch fertige Glasuren.

Weil die im Labor getestet und ganz sicher lebensmitteltauglich sind

und weil bei allen gestalterischen Freiheiten vor allem bei Gebrauchsgeschirr

doch immer auch die Sicherheit im Mittelpunkt stehen muss.


Ich benutze viele Materialien, die ich über die Jahre angesammelt habe

und mit denen ich nach wie vor arbeite, anstatt sie zu entsorgen um neue -

möglicherweise nachhaltigere - Produkte zu kaufen.

Ich sammle alle Reste und verwende sie weiter, wo immer das möglich ist.

Ich vermeide es, Arbeiten zu brennen, die nicht wirklich gut gelungen sind.


Und auch hier geht es um eine Verbindung.

Die Verbindung der Möglichkeiten unserer modernen Zeit

mit einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt.

Nicht weniger als das.



P.S.: Alle Mangos sind eingekocht, sagt der Bär, ich komme wieder zurück.

Gute Idee, sage ich, die Nächte werden kalt

und wenn es kalt ist, brauche ich einen Bären.


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