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Kann man einen Traum kaufen oder das Lied einer Blume oder die Blume eines Traumes oder den Traum einer Wolke…

Christine
26. Okt.
2 Min. Lesezeit

Hans Arp



Heutzutage kann man ja eigentlich alles fertig kaufen.

Wir kaufen unsere Kleidung, unsere Nahrungsmittel und die Dinge, die wir täglich benutzen.

Wir kaufen Tonmassen, Fertigglasuren und vorgefertigte Dekorschablonen.

Unsere Texte lassen wir den Computer schreiben und die Heizung steuert sich selbst.

Dagegen ist auch gar nichts zu sagen.


Das ist sehr praktisch.

Wenn man die Sache von ihrem Ende her betrachtet.

Vom Ergebnis.

Es spart Zeit, Arbeit und Vorbereitung.

Es spart Irrtümer, Fehler und Wartezeiten.

Aber.


Betrachten wir die Sache einmal nicht von ihrem Ende her.

Nicht vom Produkt ausgehend.

Betrachten wir die Sache einmal von ihrem Anfang her,

von einer Idee und ihrer Verwirklichung.

Betrachten wir sie als einen Prozess.


Denken wir uns kleine Samen, die keimen und wachsen -

sei es in unserem Kopf, sei es im Garten - die uns begleiten,

denen wir immer wieder einmal ein bisschen unserer Aufmerksamkeit schenken.

Bis sie eines Tages so groß geworden sind, dass sie sichtbar werden

und quasi auf eigenen Beinen stehen können.

Die wir uns dann anschauen, neugierig und aufmerksam.

Die wir hegen und pflegen, gießen, düngen, vereinzeln.

Wir probieren Verschiedenes aus, damit sie sich gut entwickeln,

manches funktioniert, anderes nicht.


Unsere Hypothesen bezüglich ihrer Pflege

decken sich nicht immer mit den Bedürfnissen dieser Pflänzchen.

Wir müssen recherchieren, uns informieren, dazulernen.

Dabei entwickeln sich dann nicht nur die Ideen,

sondern auch wir selbst ganz unwillkürlich weiter.

Immer gibt es auch Einflüsse von außen,

das Wetter, die Umgebung, persönliche Befindlichkeiten.

Die (Nicht-)Verfügbarkeit von Materialien,

die Notwendigkeit, aus mehreren Möglichkeiten auszuwählen,

die Ideen anderer Menschen.


Sind wir zu ersten Ergebnissen gekommen,

werfen die gar nicht selten viele weitere Fragen auf,

verlangen nach weiteren Experimenten und Versuchen.

Es gibt ja in den allermeisten Fällen nicht nur eine einzige Antwort,

nicht die ideale Lösung für eine Fragestellung.


Es ist wie bei Kindern, die immer wieder fragen: warum?

Manchmal kann das richtig nerven.

Aber wie spannend wird das Leben, wenn wir uns darauf einlassen,

wenn wir nach dem „warum“ suchen,

nach dem „wie“, nach dem „was wäre wenn…“  

und nach dem „und was noch?“


Natürlich.

Zeit spart das nicht.

Arbeit schon gar nicht.

Und manchmal hat man am Ende noch nicht einmal

etwas Bahnbrechendes Neues herausgefunden.


Aber schön ist es.



P.S.1: Nichts gegen den Supermarkt.

Die Zucchini dort wachsen ja auch auf irgendjemandes Feldern. Und wenn ich dringend einen Kaffee brauche möchte ich nicht erst Bäume pflanzen und Ton graben gehen…


P.S.2: Die Becher und Schalen auf den Fotos sind mit unterschiedlichen Mischungen aus Holzasche (ich bin nicht soweit gegangen herauszufinden, ob man Holzasche kaufen kann, bin mir aber ziemlich sicher, dass man es kann), Eisenoxid (das kann man tatsächlich kaufen, ich mache es aber aus alten Eisennägeln und Essigwasser selbst), Naturtonen und gekauften Tonmassen glasiert.


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