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Die letzten Tage waren eine Zeitreise...

  • Christine
  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit



... eine Zeitreise über die Generationen.

Nach Donnerskirchen, zu Heinz,

der sich seit vielen Jahren intensiv mit alter Keramik beschäftigt.

Richtig alt.

Prähistorisch.

Die Keramik selbstverständlich.


Heinz baut Gefäße und Formen nach uralten Vorlagen mit einfachsten Mitteln.

„Wie die Steinzeitmenschen“ und brennt sie im offenen Feuer.

Hauchdünn.

Riesengroß zum Teil.

Aus Tonen, die er im Wald hinterm Haus findet.


So einfach. Und so schwierig zugleich.


Wir treffen ihn in seinem alten Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert,

als im Burgenland Häuser aus ungebrannten Lehmziegeln gebaut wurden,

die tatsächlich heute noch stehen – „solange das Dach dicht bleibt…“, meint Heinz.

Damals verwendete man das Holz aus dem Wald, den Lehm und die Steine aus der Umgebung, das Schilf aus dem nahen See…


So einfach. Und so schwierig zugleich


Heinz bietet in diesem alten Bauernhaus Kurse an.

Man kann ihn ein kleines Stück begleiten auf seiner

geologisch-historisch-keramischen Reise durch die Vergangenheit.


... eine Zeitreise in eine Zeit lange vor der unseren.

Als die Kelten und Römer hier aufeinandergetroffen sind

und sich zunächst bekriegt, dann aber verheiratet haben

und so eine ganz eigene Kultur entstehen ließen.


... eine Zeitreise noch weiter zurück in die Steinzeit.

Als diese Gegend zum ersten Mal besiedelt wurde

und die Menschen ihr Kochgeschirr aus Ton formten.

Derselbe Ton, den wir heute finden und verwenden.


So einfach. Und so schwierig zugleich.


... eine Zeitreise noch viel weiter zurück in der Entstehungsgeschichte unserer Erde.

Ton ist Stein.

Stein, der durch Wind, Wetter und geologische Verschiebungen

in kleine Partikel zerrieben wurde.

Glimmerschiefer. Kalkstein. Quarz. Basalt…

Ton gibt es überall und er entsteht ständig neu.

Er ist beides. Uralt und nagelneu.


Und immer wieder anders.

Je nachdem, was genau verwittert und sich vermischt.

Je nachdem, was die Menschen daraus formen und wie sie ihn verarbeiten.


Wir wandern auf Wegen, auf denen schon vor tausenden Jahren Menschen gingen.

Wir sammeln Materialien, die schon vor tausenden Jahren von Menschen gesammelt wurden. Wir vermischen Erde mit Wasser um sie zu formen,

wie es schon vor tausenden Jahren die Menschen getan haben.

Und wie sie es wohl auch in tausenden Jahren noch tun werden,

wenn wir selbst längst auch wieder zu Ton geworden sind.

Weil letztlich alles zu Ton wird.


So einfach. Und so schwierig zugleich.


Der Ton ist nicht leicht zu verarbeiten.

Er reißt.

Es sind Steinchen darin, Holzstücke.

Er ist zu klebrig oder zu sandig.

Wir geben nicht auf.

Wir finden heraus, wie es funktioniert und formen kleine Schälchen und Figuren.


Unsere Hochachtung vor den großen Arbeiten, die Heinz uns zeigt,

und die er - wie er uns versichert -

aus denselben Massen gefertigt hat, die wir verwenden - steigt mit jedem Versuch.


Wir sitzen auf Holzbalken, verwenden Steine und Stöckchen als Werkzeuge,

bemalen den Ton mit andersfarbigen Erden,

trinken Tee aus der Minze im Garten und benutzen das Humusklo.


Unsere Arbeiten brennen wir im offenen Feuer.

Eine kleine Grube, ein bisschen Holz, ein paar Hobelspäne… und Geduld.


So einfach. Und so schwierig zugleich.


Wir sind eine bunte Gruppe.

Mehrere Generationen, unterschiedlichste Nationalitäten,

ein babylonisches Sprachgewimmel aus Deutsch, Italienisch, Englisch und Spanisch -

das wunderbar funktioniert!

Eine/r erzählt, jemand anderer übersetzt und wir verstehen einander problemlos.


Wir sind ganz und gar versunken in das, was wir tun,

ganz und gar verbunden miteinander, mit der Erde und mit der Vergangenheit.

Und doch immer auch ganz und gar in unserer Gegenwart.

Ganz und gar hier und jetzt.

Mit unseren jeweiligen Geschichten,

mit unseren so unterschiedlichen Kulturen und Erfahrungen,

mit unseren Handyfotos und dem Kuchen aus der Bäckerei.


Die Ergebnisse sind keine Kunstwerke.

Einfache Formen, rissige Ränder, kleine Löcher,

wo Steinchen herausgefallen oder -gebrannt sind.

Und doch.

Es fühlt sich an, als hätten wir etwas richtig Großes erschaffen.

Es fühlt sich an, als hätten wir mit dieser Reise von der Entstehung der Erde

bis in die Jetztzeit ein Stück weit Kultur gestaltet.

Die Erde geformt und verwandelt.

Mit unserem Dasein.

Mit unseren Persönlichkeiten.

Mit unseren Händen.


Wir fühlen uns verbunden.

Miteinander, mit der Welt und mit uns selbst.




P.S.2: Silvia Lombardi und Laura Savina arbeiten zurzeit als Gäste bei mir im Atelier

an ihrem Projekt Archeomagia.

Sie finden Ton in der Umgebung, formen ihn zu kleinen Figuren

und erzählen Geschichten über diese Wesen.

Der Ausflug zu Heinz war ein Teil unserer Arbeit.

Wenn ihr mehr über das Projekt wissen wollt, findet ihr hier einige Informationen: Archeomagia


Außerdem seid ihr herzlich eingeladen, am kommenden Freitag

bei der Präsentation des Projektes dabei zu sein.

Wannwowie wissen wir noch nicht genau, alles ist sehr babylonisch und kurzfristig hier,

fragt aber gerne einfach nach!


P.S.3: Danke an Sigrid für die Fotos!


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