Lena war im Mai zu einer Geburtstagsparty bei mir im Atelier eingeladen...
- Christine
- vor 21 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Jetzt hat sie selbst Geburtstag und wünscht sich, wieder töpfern zu kommen.
Keine Kinderparty diesmal.
Lena wünscht sich, gemeinsam mit ihren Eltern zu kommen.
Zufällig habe auch ich genau an ihrem Geburtstag Zeit.
Nichts Besonderes soweit.
Obwohl.
Lenas Eltern leben getrennt.
Es gibt neue Partner, vielleicht neue Geschwister, Lena hat zwei Familien.
Nichts Besonderes soweit.
Obwohl.
Für Lena ist es etwas Besonderes, so zu dritt gemeinsam etwas zu unternehmen.
Sie wünscht es sich zum Geburtstag.
Lena kommt mit ihrem Papa zuerst, die Mama kommt zu spät.
Die Situation ist etwas angespannt, es gibt Konflikte.
Und das wird deutlich spürbar.
Lena möchte an der Töpferscheibe arbeiten.
Ihre Eltern haben das noch nie gemacht, lassen sich aber darauf ein.
Zuerst das Geburtstagskind, dann dürfen auch die Großen probieren.
Und sind überrascht, wie sehr das Arbeiten mit Ton -
obwohl es das erste Mal ist und dementsprechend nicht sofort „gelingt“ -
sie erdet und ruhig macht…
Die Stimmung entspannt sich spürbar.
Besonders Lenas Mama spürt, wie sie sich selbst zentrieren und bei sich ankommen kann.
Und wie sehr ihr das ein Bedürfnis ist.
Lenas Papa stellt Fragen zu den Glasuren und Dekorationstechniken –
er ist Chemiker und es entspinnt sich ein kleines Gespräch über Schmelzpunkte, Glasurrohstoffe und Schwermetalle - ganz sein Thema, ganz mein Thema.
Obwohl wir doch in so unterschiedlichen Bereichen arbeiten.
Lena ist in ihrem Element.
Sie töpfert und malt und fühlt sich sichtlich wohl -
einmal geht sie telefonieren, die Oma ruft an, immerhin ist ja Lenas Geburtstag.
Die Eltern bleiben alleine in der Werkstatt.
Es entsteht ein kleines Gespräch zwischen ihnen,
ein kleiner Austausch über das, was sie gerade tun.
Einfach so.
Nichts Besonderes soweit.
Obwohl.
Hier in diesem Raum ist es möglich, eine kleine Weile einfach da zu sein.
Keine/ r muss sich zusammenreißen, keine/ r fühlt sich unwohl.
Jede/ r ist mit sich selbst und dem Ton beschäftigt.
Und doch sind alle im Austausch, es ist bewusst geteilte Zeit.
Als die drei wieder gehen, haben sie etwas gemeinsam.
Ein Erlebnis, eine Erfahrung, eine Geschichte.
Das verbindet sie und macht ihnen Freude.
Das ist deutlich spürbar.
P.S.1: Ich erzähle Geschichten.
Nicht immer ist es haargenau so geschehen, wie ich es beschreibe.
Bären fahren nicht auf der Moto, auf den Kanaren gibt es keine Giraffen,
Lena heißt nicht Lena und ihre Mama war vielleicht gar nicht unpünktlich...
Obwohl.
Wer weiß das schon so genau...
P.S.2: Die Römerinnen sind angekommen! Aber das ist eine andere Geschichte...




