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Hans hat angerufen,...

  • Christine
  • 25. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

... sagt der Bär, ich muss nach Tiňor.

Gute Idee, sage ich, ich hab schon lange keinen Fenchel gegessen.

Der Bär mag keinen Fenchel.

Ich schon.


Hans lebt auf Teneriffa und baut Photovoltaikanlagen.

Und er hat genau jetzt Zeit, unsere bestellte Anlage zu montieren.

Was soll man da machen, wir fahren also um vier Uhr Früh zum Flughafen

und der Bär macht sich auf die Reise.

Damit ich im nächsten Winter mit Sonnenstrom brennen kann.

Falls die Sonne scheint.

Bei der Gelegenheit kann er auch gleich den Wein schwefeln.

Und die Mangobabies besuchen.

Und ein paar Steine umdrehen, unter denen seltene Schnecken leben.

Und ein paar schöne Bilder schicken.


Ich drehe Teller, die zu den tanzenden Tassen passen.

Ihr wisst schon, mit sieben Porzellanpünktchen.

Die Chiquita kommt und arbeitet an ihrer Figur weiter.

Die Teilnehmerinnen beim Einsteiger*innenworkshop stellen fest,

dass das Töpfern gar nicht so einfach ist, wie es auf Youtube aussieht.

Die kleine Franziska stürmt in die Werkstatt und ist ganz aufgeregt:

Eeendlich wieder TÖÖÖÖÖpfern!

Und Elena macht jetzt jeden Freitag eine Maske. Um Gesichter zu üben.


Der Inspector mag nicht mehr spazieren gehen.

Er tapst durch den Garten, schläft viel und wirkt ganz zufrieden.


Die Stare sind da. Mindestens fünfzig Stück, im alten Kirschbaum.

Die haben sich schon in Afrika verabredet, zum Kirschenessen in 1000blum.

Igel hab ich auch gesehen.

Fuchs und Hase sagen gute Nacht.

Die Falken brüten auf der großen Fichte und der Kuckuck ruft!


Jaaa. Und die Schlange.

Die ist auch wieder aufgewacht.  

In unserem Garten leben seit Jahrzehnten Äskulapnattern.

Große, schöne Tiere. Sehr zurückhaltend, wir kommen gut miteinander zurecht,

die sind ja nicht giftig und man sieht sie nur ein paarmal im Jahr.

Die Schlange ist also aus ihrer Winterruhe aufgewacht und macht sich auf den Weg,

um Futter zu suchen. Und steuert schnurstracks auf das Gefäß zu, in dem die Meisen brüten.

Die Dornenkrone, die der Bär gebaut hat, um die Meisen zu schützen, ist ihr egal.

Wir beobachten die Meisen seit zwei Wochen.

Das Brüten, das Heranwachsen der Jungen, das fleißige Füttern…

Was die Schlange nicht weiß, ist,

dass die kleinen Meisen vor ein paar Stunden ausgeflogen sind.

Der Meisenkrimi geht also gut aus - für die Meisen - und für diesmal.


Nachdenklich werden wir aber schon:

Es gibt ja mehr Meisen als Äskulapnattern und

man ist da tatsächlich in einem Loyalitätskonflikt.

Das, was für unsere menschlichen Maßstäbe grausam wirken mag,

ist in der Natur ganz normal.

Es gibt Meisen und Schlangen.

Gut oder böse sind sie nicht.

 
 
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